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 Marco, wie hast Du Dir Deine Rückkehr auf die Skipisten vorgestellt?
 
Marco Odermatt: Als Sportler bin ich gleichzeitig Träumer und Realist. Der Träumer in mir ist nicht ganz zufrieden, denn «er» weiss, was theoretisch möglich ist, wenn wirklich alles zusammenstimmt. Der Realist hingegen weiss, wie viel es braucht, um nach einer langen Pause mit hohen Startnummern gegen starke, ältereKonkurrenz wieder nach vorne zu kommen. Ansprechende Super-G-Rennen in den USA und auf der Reiteralm und vor allem der gute Weltcup-Riesenslalom von Alta Badia. Darauf lässt sich im neuen Jahr aufbaumen.
 
Wie stark hast Du mit dem Schicksal gehadert, weil Du im Südtirol den zweiten Lauf nur als Zuschauer verfolgen durftest?
 
Marco: Zugegeben, wenn einem nur zwei Hundertstelsekunden fehlen, wie in Alta Badia meinem Zimmerkollegen Elia Zurbriggen und mir, dann fragt man sich natürlich schon, wo man sich diesen läppischen Rückstand von einer Skispitzenlänge eingehandelt hat. Aber den Kopf hängen lassen, bringt nichts.
Meine grosse Stärke ist das positive Denken. Das liegt an meinem Charakter, vor allem aber auch an meinem Umfeld. Deshalb trauerte ich nur im allerersten Moment der knapp verpassten Chance nach. Die aufmunternden Worte von meiner Familie und meinen Fans haben mir sehr geholfen. Und in Alta Badia kam die Unterstützung von Skifahrerlegende Pirmin Zurbriggen hinzu. Er schaute sich den zweiten Lauf mit Elia und mir im Hotelzimmer an und richtete unseren Blick sofort wieder nach vorne zum nächsten Rennen.
 
Dann ist die Weihnachtspause für Dich zum falschen Zeitpunkt gekommen?
 
Marco: Ich bin nicht nur Sportler, sondern auch ein Familienmensch. Die Weihnachstage zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen zu können, bedeutet mir viel. Ich habe diese Zeit sehr genossen … Ich stand auch kurz nach Weihnachten in Sörenbergan einem FIS-Rennen wieder mal auf Slalomskis (nach 4 Monaten ohne SL-Training).Anschliessend ging es nach Adelboden ins Riesenslalom-Training. So richtig langweilig wird es mir skitechnisch auch über die Festtage nicht.
 
Und zu Ehren Deines neuen Sponsors InterCheese AG hast Du in dieser Zeit sicher auch das eine oder andere Fondue und Raclette gegessen?
 
Marco: Ein Fondue gehört für mich zur Weihnachtszeit wie der Besuch der Verwandtenoder ein gemütlicher Abend mit Freunden. Für Schweizer Käse kann ich wirklich mit bestem Gewissen Werbung machen. So gesehen freue ich mich sehr, dass ich nun auch von der InterCheese AG unterstützt werde. Aber bei Peter Häfeli und der InterCheese AG, Beromünster, imponiert mir weit mehr als die sprichwörtliche Käsekompetenz.
 
Nämlich?
 
Marco: Die InterCheese AG nimmt als Unternehmen seine soziale und ökologische Verantwortung auf vorbildliche Art und Weise dar. Sie legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit und unterstützt ein Bildungsprojekt in Myanmar (ehemals Burma). Beim Sportsponsoring achtet Peter Häfeli nicht in erster Linie auf die Publikumswirksamkeit der Sportart. Er hat Freude daran, wenn junge Sportler – insbesondere aus der Zentralschweiz – Initiative zeigen, um ihre Zukunft positiv zu gestalten. Egal ob es sich um die Handballerinnen von Nottwil handelt oder um die Schützin Monika Hurschler, den Ruderer Joel Schürch oder den Schwinger Mario Thüring. Wenn es für beide Seiten passt, kann sich daraus eine lange Partnerschaft ergeben: Der heutige Weltklassefechter Max Heinzer hat Peter Häfeli als Jugendlicher geschrieben und um eine Unterstützung gebeten. Das war vor nunmehr 14 Jahren! In meinem Fall hat mich der Zeitpunkt ganz speziell gefreut – mitten in meinem Comeback nach der Verletzungspause. Das ist ein wunderbarer Vertrauensbeweis!
 
Was ist Dir im neuen Jahr besonders wichtig?
 
Marco: Wenn ich an meinen Beruf und meine Fans denke, dann wünsche ich mir natürlich unvergessliche emotionale Momente und sportliche Erfolge, möglichst schon Anfang Jahr in Adelboden. Am Chuenisbärgli herrscht immer eine einmalige Stimmung, vor allem wenn das Vogellisi-Lied gesungen wird. Und unser Schweizer Team hat ja nach dem letztjährigen Debakel einiges gutzumachen…
Mit etwas Abstand betrachtet, lautet meine Antwort: Gesundheit. Wir haben vorhin von der schwierigen Rückkehr nach einer längeren Verletzungspause gesprochen. Doch der wichtigere Teil der Wahrheit ist, dass ich meine Meniskusverletzung immer weniger spüre und meistens schmerzfrei und mental unbelastet Ski fahren kann. Dafür danke ich allen, die dazu beigetragen haben – die Ärzte, das Pflegepersonal, mein Fitnesstrainer und meine Mentaltrainerin. Wie wichtig die Gesundheit ist, ist mir bei meinem Skiklubkollegen Reto Schmidiger in Val d’Isère wieder knallhart bewusst geworden – Lieber Reto, ich wünsche Dir gute Genesung und eine starke Rückkehr in den Weltcup!
Gesundheit ist einfach Alles und Alles ist ohne Gesundheit Nichts. Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass es viele Menschen in meiner näheren Umgebung und in der weiten Welt gibt, die weitaus mehr leiden als kurzzeitig verletzte und sehr gut betreute Skifahrer wie Reto und ich.
 

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Der verzögerte Startschuss

Der letzte Monat stand klar im Zeichen der letzten Vorbereitungen für den Weltcup-Auftakt in Sölden. Anfangs Oktober fand traditionsgemäss der Swiss Ski Abgabetag statt. Trainer, Betreuer und Athleten wurden wiederum mit tollem Material und praktischen Kleidern ausgestattet. Wir waren nun endgültig bereit für die neue Skisaison!

Ein paar Tage später ging es mit dem neuen Equipment nach Saas Fee. Die Trainingsbedingungen waren hervorragend und wir konnten auf verschiedenen Pisten sehr gut trainieren. Swiss Ski hat in Zusammenarbeit mit den Bergbahnen für uns sogar eine Rennstrecke gewässert und vereist. Dies war ein riesiger Aufwand! Unsere Trainingseinheiten waren sehr erfolgreich. Dies zeigten auch unsere Fortschritte und gute Zeitläufe gegen andere Top-Nationen. Nach weiteren Skitrainings in Sölden und auf der Diavolezza waren wir schliesslich bereit für das Wochenende, auf welches wir den ganzen Sommer hingearbeitet haben…

Ich fühlte mich wirklich gut in den Abschlusstrainings. In mein oft noch schmerzendes Knie hatte ich volles Vertrauen. Leider waren die Wettervorhersagen auf den Sonntag sehr schlecht. Wir Athleten konzentrierten uns natürlich sowieso auf unseren Renntag auf dem Rettenbachgletscher - Prognosen hin oder her. Mit der Startnummer 51 hätte ich meine Saison gestartet, aber es hatte nicht wollen sein. Das Rennen wurde leider abgesagt! Der Entscheid bei diesem Sturm und Schneefall war völlig nachvollziehbar. Ich hackte das Wochenende ab und fokussierte mich neu auf die kommenden Tage.

Die zwei Wochen nach Sölden nutzte ich noch einmal, um meinem Knie Ruhe und im Konditionstraining Gas zu geben. Diese zwei Wochen werden möglicherweise die letzten Pausen ohne Skifahren sein, sofern mein Knie mitmacht - bis hoffentlich April 2018.

Ich bin nun wirklich kribblig auf den Schnee und freue mich extrem darauf, nächstes Wochenende nach Amerika zu fliegen, um dort die neue Saison so richtig zu lancieren.

Lieber Gruss Marco

 

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